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Video Sendebeitrag vom 14.07.07 (5'40)


Die Schaufensterpuppe wird 100

Gesichter von Schaufensterpuppen; Rechte: WDR Es gibt sie mit Kopf, ohne Kopf, stehend, sitzend, liegend, nur als Torso, abstrakt ohne Gesicht oder zum verwechseln lebensecht: Schaufenster-Figuren. Sie dienen stumm als Kleiderständer in der Auslage von Herrenausstattern, Boutiquen und Kaufhäusern. 300 bis 600 Euro kostet eine und obwohl sie allgegenwärtig sind, verschwinden sie meistens hinter dem, was sie zeigen sollen, der Mode. Vor genau 100 Jahren richtete der Kölner Dekorateur Franz Moch eine kleine Werkstatt ein und fertigte und reparierte Puppen aus Wachs. Heute ist der Familienbetrieb die älteste Schaufenster-Puppen-Manufaktur Europas. Die Figuren sind ein Spiegel ihrer Epoche und ihres jeweiligen Schönheitsideals. 3.000 Schaufensterfiguren verlassen jährlich das Gelände in Köln-Rodenkirchen, viele davon Spezialanfertigungen für Designer-Geschäfte.

Modellierung der Köpfe
Besonderen Wert legt die Firma auf die Modellierung der Köpfe. In der Lackiererei bekommen sie ihre Haut aufgesprüht und anschließend ihr Make-Up, entsprechend dem gerade aktuellen Modetrend. Möglichst lebendig sollen sie aussehen, sagt Joanna Urbanovicz, obwohl den Gesichtern jeder natürliche Makel, und noch der kleinste Schönheitsfehler weg retouchiert wird. Die Industriedesignerin arbeitet seit 17 Jahren hier. "Köpfe, die ganz naturalistisch modelliert sind, sind zwar schön, aber unter den speziellen Lichtverhältnissen im Schaufenster sieht es oft nicht gut aus, wenn ein Gesicht eine zu dicke Nasen oder zu große Augen hat."

Korb- und Drahtgestelle machten den Anfang
Sitzende Schaufensterpuppe; Rechte: Moch Perfekte und doch lebensechte Köpfe sind die Spezialität bei Moch. Zu Beginn hatten Schaufensterpuppen überhaupt keine Köpfe. Es waren einfache Korb- und Drahtgestelle, bessere Kleiderständer. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen sie auf, in Paris und Berlin, als die ersten Kaufhäuser die Kundschaft mit großen Schaufenstern lockten. Für die Auslage brauchte es repräsentative Figuren, erklärt Firmenchef Josef Moch. "Textilien mussten gezeigt werden, sie mussten verkauft werden. Sie wurden nicht mehr beim Schneider bestellt und auch nicht mehr auf Jahrmärkten verkauft, sondern erstmals in Textilgeschäften und Kaufhäusern."

Stars als Vorbilder
Josef Moch führt das Unternehmen in dritter Generation; Rechte: WDR Franz Moch, der Großvater des heutigen Inhabers, beginnt 1907 in Köln mit der Produktion und Reparatur von Figuren aus Wachs, Papier und Kleister. Vorbild sind bald schon die großen Stars der Varietés und der aufkommenden Filme, wie Greta Garbo. Mit verklärtem Blick sollen die Figuren ein wenig abgehoben wirken von der Welt - auf jeden Fall aber elegant. Der Krieg bereitet den Menschen andere Sorgen als ausgerechnet Schaufensterpuppen. Doch schon kurz danach kommt das Bedürfnis auf, sich wieder anständig zu kleiden, auch wenn die Häuser noch in Trümmern liegen. Und so eröffnet der Familienbetrieb Moch 1948 wieder - und expandiert. In den 50-er Jahren orientieren sich die Puppenhersteller weniger an einheimischen Vorbildern, sondern eher an Hollywood-Diven wie Sophia Loren. Wespentaille und Puppengesicht - das amerikanische Ideal wird auch hier um Vorbild.

Die fetten Jahre
Fertigung einer Schaufensterpuppe; Rechte: Moch Doch dann kommen die fetten Jahre des Wirtschaftswunders, und das ist wörtlich gemeint. Das Wort Kalorien hat noch nichts Negatives. "Korpulent sein war damals ein Statussymbol", sagt Josef Moch. In den Geschäftsräumen finden sich noch Schaufenster-Figuren der 60-er Jahre, sie sind rund und mollig, haben feiste Gesichter mit Doppelkinn. "Damals konnte man sämtliche Konfektionsmaße in den Figuren wiederfinden, heute sind die Figuren vereinheitlicht, weil wir ein einheitliches Schönheitsideal haben. Das ist vom Fitnessstudio geprägt. Das gab es damals nicht und deswegen genierte sich auch niemand, Damengrößen 42 oder sogar 46 zu zeigen - das war üblich."

Modefiguren im Wandel der Zeit
Nur wenige Jahre später schlägt das Pendel ins genaue Gegenteil um. Jetzt gibt Twiggy den Ton an. Dürr wie sie ist, so werden auch die Schaufenster-Figuren dürr und schlacksig, und mit riesigen Augen, erinnert sich Firmenchef Moch. "Das schlug in den 70-er Jahren extrem aus, wurde dann aber wieder zurückgepfiffen in den 80-er Jahren. Da war Coolness angesagt, die Gesichter waren etwas stumpf, sehr uniform, etwas desinteressiert." In den 80-er Jahren durften die Schaufenster-Figuren vor allem eins nicht mehr: Lächeln. Die Models lächelten schließlich auch nicht. Nicht in den 80-ern, nicht in den 90-ern, und auch heute geben sich Models und Puppen gleichermaßen unterkühlt. Dafür reagiert der Rest der Welt bisweilen hysterisch. Ganz London flippte aus, als Kate Moss sich vor einigen Wochen als lebende Schaufensterpuppe präsentierte - für ganze 15 Sekunden.

Abdrücke von lebenden Modells
Rümpfe von Schaufensterpuppen; Rechte: Moch Doch selbst Supermodels wie Kate Moss sind für eine Schaufensterpuppe nicht perfekt genug. Vorlagen für die Körper der Schaufensterpuppen sind Abdrücke von lebenden Modells. Aber kein Modell ist so schlank und athletisch, als dass ihre Plastikkopie nicht noch der Verfeinerung bedürfte. Diktat der Modeindustrie, sagt Bildhauer Naill Buggy und zuckt mit den Schultern. "Ich persönlich finde überhaupt nicht, dass sie eine ideale Figur haben. Die meisten Models heute sehen aus wie Hühnerknochen, magersüchtig. Die haben nichts zu tun mit den normalen Menschen, denen man auf der Straße begegnet, aber das ist die Modewelt!"


Weiterführende Links
WWW-Link
Moch Figuren
Homepage der Firma Moch
WDR-Link
WDR-Link
Multikulti im Schaufenster
Im Trend: Mode-Puppen als Ethno-Stars

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